In der küche

Im Paläolithikum besorgten sich die Menschen ihre Nahrung durch das Jagen und Sammeln. Diese Art von Nahrungserwerb konnte jedoch nur eine kleine Population ernähren. Seit dem Übergang zur Landwirtschaft ist die Gesellschaft imstande, einen Überschuss zu produzieren und die Zahl der Bewohner des Planeten Erde wächst ständig an. Gleichzeitig sind die Menschen von der Ernte abhängig und jeder Mangel kann fatale Folgen haben. Die Zubereitung von Speisen und das Essen als solches mussten in den vorgeschichtlichen Kulturen sowie mittelalterlichen Gemeinschaften somit eine äußerst wichtige, ja beinahe religiöse Bedeutung gehabt haben.

Die Lausitzer Kultur, deren Volk den ersten Burgwall auf Chotěbuz erbaut hatte, existierte früher als alle schriftlichen Quellen, die sich auf unser Gebiet beziehen. Die Wichtigkeit des Essens war auch in damaliger Zeit selbstverständlich. Die Klassen der Elitekrieger demonstrierten und festigten ihre Außergewöhnlichkeit gerade durch gemeinsames Essen. Einen greifbaren Beleg dafür liefern die Grabfunde: die Toten wurden nämlich in ihren Gräbern mit qualitätsvoller, reich verzierter Keramik in Form von Schüsseln, Töpfen und Bechern ausgestattet. Als würde sie im Jenseits noch ein weiterer, letzter Festschmaus erwarten.

Bei den Slawen, den zweiten Bewohnern von Chotěbuz, ist der zeremonielle Charakter der Zubereitung von einigen Speisen und des gemeinsamen Essens deutlich zu sehen und obendrein auch aus ethnographischen Analogien bekannt. Schon allein der alte Brauch des Empfangs der Gäste mit Brot und Salz, der in einigen Gebieten bis heute überdauert hat, hat seine Wurzel im Frühmittelalter.

Im Unterschied zur Keramik, die nach Jahrtausenden in der Erde aussehen kann, als ob sie nur gestern weggeworfen wäre, verderben Lebensmittel sehr schnell. Wir können annehmen, dass die alltägliche Nahrung vor allem auf Getreide beruhte. Anhand der Menge an gefundenen Knochen war aber auch Fleisch nicht ganz selten.

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Brot hat man schon in der Jungsteinzeit gebacken. Die älteste Form repräsentierte wohl ungegorenes Fladenbrot, später ist auch Hefebrot hinzugekommen. In Mitteleuropa benutzte man zum Getreidereiben noch am Anfang der Eisenzeit die Sattelmühle, die aus zwei Mahlsteinen zusammengesetzt war – einem oberen bewegten Läufer (auch Reibekugel genannt) und einem unbeweglichen Unterlieger. Das Mehl auf diese Weise zu gewinnen ist ziemlich mühsam und langwierig; um die Qualität zu erhöhen muss man es noch durchsieben und wiederholt reiben. Dies änderte sich erst mit der Latènekultur, als sich auf keltischem Gebiet die Verwendung von kleinen Handdrehmühlen verbreitet hat. Das Getreide wird durch ein Loch (Mahlmund) in den Raum zwischen dem Unterlieger und dem drehenden Läufer geschüttet und an den Rändern fällt dann das gemahlene Mehl aus. Eine solche Mühle ist viel effektiver und schneller. Diese Erfindung überdauerte dann in verschiedenen Modifikationen bis zum Mittelalter, wo sich große Mühlen verbreitet haben. Als eine Notlösung würden wir die steinernen Handdrehmühlen jedoch noch am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Bauernhäusern finden. Auch im Burgwall von Chotěbuz-Podobora hat man solche Handdrehmühlen aus dem 9. Jahrhundert gefunden.

Für die Slawen, die auf Chotěbuz lebten, war Brot das herkömmlichste Nahrungsmittel, das von allen gesellschaftlichen Schichten gegessen wurde. Uns würde es an das heutige Vollkornbrot erinnern; die Intensität seiner dunklen Verfärbung war unterschiedlich je nach der angewandten Backmethode. Die erhaltenen Brotreste deuten an, dass der Teig gewöhnlich gesalzen oder mit verschiedenen Kräutern und Gewürzen aufgebessert wurde.

Wissen?

Wussten sie, dass:

Der Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus berichtete im 12. Jahrhundert von heidnischen Ritualen, die von den Slawen auf der Insel Rügen eingehalten wurden. Angeblich sah er eine Zeremonie, bei der ein Priester des Gottes Svantovit zuerst überprüfte, ob der Gott das Weinopfer angenommen habe. Anschließend brachte man angeblich einen großen Honigkuchen, laut Beschreibung so groß, dass sich hinter ihm ein Mensch verbergen konnte. Der Priester fragte die Versammelten, ob sie ihn sehen und sie haben ihm rituell geantwortet, sie würden ihn sehen. Er hat dann erwidert, dass er wünsche, sie würden ihn das nächste Jahr nicht sehen – d. h. es möge die Fülle herrschen und der Kuchen noch größer sein.

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Wir sollten auch Festgebäck nicht vergessen. In der Vorgeschichte würden wir uns nur im Bereich der Vermutungen bewegen, im Frühmittelalter lässt sich aber die Existenz von Süßgebäck annehmen, vor allem Kuchen.

Eine weitere Kategorie der alltäglichen Lebensmittel repräsentieren die Getreidebreie. Die aufgefundenen Proben aus dem ganzen Europa zeigen, dass es in der Vorgeschichte üblich war, die Breie zu salzen, beziehungsweise reichlich zu schmalzen. Wir kennen auch Belege für überbackene Breie, während süße Breie seltener waren. In der Vorgeschichte wurde als Süßstoff am meisten Honig verwendet, aber wir können auch die Verwendung von Trockenobst voraussetzen. Wir sollten auch andere Getreidespeisen nicht vergessen. Bei den Slawen war vor allem die gekochte Hirse beliebt. Ein Teil des Getreides wurde noch vor der Reife geerntet, zur Zeit der sog. Milchreife, wenn es ohne Probleme direkt verzehrt werden kann. Unreifes Getreide wurde auch geröstet, wodurch ein natürlich süßlicher Geschmack entsteht.

Belege für die Fleischverarbeitung in der Küche sind sehr zahlreich. Oft finden wir zerhackte oder zerkleinerte Knochen oder Knochen mit Spuren von Hitzebehandlung. Von einigen Tieren, zum Beispiel von Schweinen, findet man oft nur Zähne und Teile des Schädels. Das Tier wurde praktisch komplett verarbeitet, von der Haut über das Fleisch und Fett bis zu den Knochen als wichtigem Material. Das Fleisch wurde gebraten, gekocht sowie geschmort, das Rösten war vermutlich komplizierter.

In der Küche benutzte man verschiedene Würzmittel. Wir haben schon erwähnt, dass man hauptsächlich mit Honig bzw. mit Obst gesüßt hat, vielleicht wurde auch Ahorn- oder Birkensirup verwendet. Die Gewürze umfassten vor allem einheimische Pflanzen wie Kümmel, Sauerampfer, Kresse, Majoran, Minze, Petersilie, Malve und andere. Die mittelalterlichen Oberschichten könnten sich vielleicht auch Produkte des Fernhandels gegönnt haben – Zimt, Nelken, Pfeffer usw. Eine importierte Kommodität war Salz, das vermutlich auch in ärmeren Küchen nicht fehlte, obwohl es immer noch relativ teuer war. Wir kennen auch Funde von Gegenständen, die vermutlich als Salznäpfe gedient haben. Aus Obst wurde schon am Ende der Vorgeschichte Essig gemacht.

Andere bedeutende Lebensmittel waren die Hülsenfrüchte, vor allem Erbse und Linse. Erbse war weit verbreitet, aus späteren Zeitperioden kennen wir viele süße sowie salzige Varianten ihrer Zubereitung.

Wissen?

Wussten sie, dass:

Zum Beispiel an der österreichischen früheisenzeitlichen Fundstelle Namens Hallstatt entdeckte man zahlreiche Belege für den Anbau von Möhre. Die war damals jedoch noch ziemlich samenhaltig, nicht sehr süß und eher „wurzelig“. Angebaut wurde sie deswegen nicht als Gemüse, sondern wegen der Samen, die als Gewürze verwendet worden sind.

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Wir sollten auch Gemüse und Obst nicht vergessen. Es muss jedoch daran erinnert werden, dass die heutigen Früchte das Ergebnis von Jahrhunderte langen genetischen Modifikationen darstellen, d. h. der Veredelung – das vor- und frühgeschichtliche Gemüse würde uns heute nicht sehr gefallen. Aus der Vor- sowie Frühgeschichte kennen wir Belege von Äpfeln, Birnen, Kirschen, Schlehen und Pflaumen. Aprikosen wurden hier nur selten angebaut, die Pfirsiche aber, die das vorgeschichtliche Volk nicht kannte, waren bei den Slawen weit verbreitet. Die Walnuss ist erst im 9. Jahrhundert nachgewiesen, wir wissen aber nicht, wie sie sich verbreitet hat. Was es die „exotischen“ Früchte angeht, wurden schon im Frühmittelalter Feigen, Mandeln sowie Rosinen importiert.

Wissen?

Wussten sie, dass:

Das Bierbrauen ist eine vorgeschichtliche Entdeckung, vielleicht aus der Zeit um 3 000 v. Chr. Das ursprüngliche Bier enthielt keinen Hopfen und wurde oft mit verschiedenen aromatischen Kräutern abgeschmeckt; im 10. Jahrhundert ist der Hopfen aber bereits belegt. Es gab verschiedene Varianten, das vor- und frühgeschichtliche Bier war wohl relativ schwach, aber sehr nahrhaft. Seine Wichtigkeit liegt darin, dass es beim Bier eine niedrigere Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von bakteriellen Keimen gibt als beim Wasser und gleichzeitig versorgt es den Organismus mit wichtigen Nährstoffen und Energie.

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Das wichtigste, unentbehrliche Getränk war Wasser. Zwar wurden Brunnen ausgeschachtet, die Menschen bevorzugten jedoch das fließende Naturwasser. Schon in der Vorgeschichte können wir das Trinken von Kräuterabsuden und Abschmecken des Wassers mit süßem Baumsaft voraussetzen. Ein besonders wichtiges Getränk war Bier. Bei den Slawen spielte auch Met eine wichtige Rolle. Wein wurde in der Hallstattzeit auf unserem Gebiet noch nicht angebaut, er war aber sehr wichtig und weit verbreitet im Mittelmeergebiet. Die alten Griechen und Römer beförderten ihn zu einem alkoholischen Getränk von außergewöhnlicher kultureller Bedeutung, die noch durch die Verbreitung des Christentums verstärkt wurde, in dem Wein eine symbolische Rolle spielt. Die Slawen haben Wein schon gekannt und angebaut.