Pflanzenanbau

Die Menschen übergingen zur Landwirtschaft als der wichtigsten Nahrungsquelle im Rahmen der sog. Neolithisierung am Anfang der Jungsteinzeit (Neolithikum). Im Nahosten begann das Neolithikum ungefähr in dem Zeitintervall des 10. bis 9. Jahrtausends v. Chr. Auf unserem Gebiet erschienen die ersten Bauern (Kultur mit Linienbandkeramik) im 6. Jahrtausend v. Chr. Dieser Wandel bedeutet das Wesentlichste, was der Mensch während seiner langen Evolution erlebt hat. Die sesshafte Lebensweise und Produktion von Überschuss ist mit dem Bedarf an einer komplizierteren Organisation der Gesellschaft verbunden und bedeutet den Anfang auf dem Weg zu den ersten Staaten.

Auch die archäologischen Forschungen an der Fundstelle von Chotěbuz-Podobora beweisen die Wichtigkeit der Landwirtschaft. Die Felder selbst lassen sich nur kaum identifizieren, wir finden aber die Überreste von sowohl Werkzeugen und Gerät, als auch den angebauten Pflanzen. Auch aus Chotěbuz-Podobora stammen solche Funde von eingelagerten Vorräten.

Zur Zeit der vorgeschichtlichen Besiedlung des Burgwalls an der Wende von der Bronzezeit zum Anfang der Früheisenzeit hat sich die Landwirtschaft von den älteren Perioden technisch gesehen nicht sehr unterschieden. Die Felder wurden mit Hilfe von hölzernen Ritzpflügen bebaut; bronzezeitliche Pflugscharen sind nicht erhalten, während der Früheisenzeit sind aus dem Nahosten nach Europa eiserne Pflugscharen vorgedrungen. Die Pflugarbeit wurde durch hölzerne Hacken, Schaufeln, verschiedene Stecher usw. ergänzt. Auch bei diesen Werkzeugen wuchs allmählich die Verwendung von Eisen. Die Ernte verlief unter Anwendung der Bronzesicheln, die im Laufe der Eisenzeit noch relativ lange in Gebrauch gewesen sind. Später erschienen parallel zu ihnen schon auch die Eisensicheln.

sdf

Im Frühmittelalter waren die Eisenwerkzeuge gewöhnlicher. Die Ritzpflüge waren immer öfter mit einer Eisenschar versehen. Die Vielfalt von Früchten war in der Slawenzeit etwas größer und außerdem war die Zweifelderwirtschaft verbreitet, bei der ein Teil des Bodens brach lag und der andere mit Getreide bestellt wurde. Dieses System steigert einerseits deutlich die Produktivität, andererseits wachsen aber die Ansprüche auf die Fläche der Felder, was im Laufe der Zeit zur Kolonisierung neuer Gebiete führt (diese Entwicklung war jedoch allmählich und langzeitig und kulminierte erst im 13. Jahrhundert).

Wissen?

Wussten sie, dass:

Kolbenhirse erscheint unter den Funden aus der Tschechischen Republik sehr selten. Es handelt sich um eine Getreideart sehr ähnlich der Rispenhirse und ihr Vorkommen in Mitteleuropa ist interessant aus kultureller Sicht. Weit verbreitet war sie nämlich im Mittelmeergebiet, so dass ihre Anwesenheit auf die Kontakte zu südeuropäischen Regionen verweist.

Schließen

sadf

Ein Archäologe ist dank modernen Methoden der archäobotanischen Analyse imstande zu bestimmen, welche Früchte in der Vergangenheit angebaut wurden. Oft kann man verkohlte Getreidekörner oder Samen von anderen Pflanzen finden und mit Hilfe von mikroskopischen Analysen kann man die anwesenden Pollen identifizieren. Unter den wichtigsten Kulturpflanzen würden wir auf diese Weise vor allem Weizen und Gerste finden. Eine andere wichtige Pflanze ist Rispenhirse, die ebenfalls in dem Burgwall identifiziert wurde. Interessant ist die nachgewiesene Existenz der Kolbenhirse, deren Körner in Form von Anhäufungen im Burgwall gefunden wurden. Mikroskopische Pollenanalysen bestätigten dann Buchweizen und Roggen, möglich ist auch das Vorkommen von Hafer. In slawischer Küche hatten eine relativ hohe Vertretung die Hülsenfrüchte. An unserer Fundstelle hat man Erbse gefunden und Linse würde uns auch nicht überraschen. In dem Burgwall fand man auch Überreste von Lein, der sowohl zu Öl- als auch zur Fasergewinnung angebaut gewesen sein könnte.