Tierzucht
Wussten sie, dass:
Die Domestizierung von Tieren verlief vermutlich stufenweise, die halbwilde Phase konnte lange dauern. Der vorgeschichtliche Mensch konnte wilde Tiere in eine eingeschlossene Fläche einfangen, wo er ihnen Schutz und Futter gewährte, bis sie die Schlachtgröße erreichten. Erst durch eine gezielte Kreuzung der Individuen mit gewünschten Eigenschaften – fleischiger, zahmer, gesunder – begannen sich die domestizierten Arten abzusondern.
Vieh ist allmählich schon seit dem Neolithikum domestiziert worden, es handelte sich jedoch um einen langfristigen Prozess. Die Tiere sind auch als eine Quelle von Arbeitskraft gezüchtet worden. Seit der Spätsteinzeit kennen wir Belege für das Gespann beim Pflügen.
Wussten sie, dass:
Von den aufgefundenen Tierskeletten erfahren wir, dass es infolge der Domestizierung zur Verkleinerung der Tiere gekommen ist. Die Widerristhöhe des eisenzeitlichen Rindviehs betrug ca. 110 cm, die des frühmittelalterlichen Pferdes war nicht mehr als 140 cm.
Das Spektrum der gezüchteten Tierarten überrascht uns nicht: durch die Domestizierung des Auerochsen entstanden die Hausrinder; der wilde Vorfahr vom domestizierten Schwein war das Wildschwein. Rindvieh und Schweine waren offensichtlich die zahlreichsten Zuchttiere, aber gezüchtet wurden auch Schafe und Ziegen. Im Fall des Geflügels ist die Situation komplizierter, denn die Vogelknochen sind gewöhnlich schlecht erhalten. Wir wissen jedoch, dass sowohl das Haushuhn als auch die Gänse und Enten domestiziert waren. Das Jagen repräsentierte nicht die wichtigste Nahrungsquelle, es handelte sich jedoch sicherlich um eine willkommene Aufbesserung.
Eine bedeutende Komponente der Nahrung, vor allem bei den Slawen, waren Fische – diese hinterlassen zwar fast keine archäologischen Spuren, wir sind jedoch imstande, die Geräte für den Fischfang zu identifizieren, z. B. Harpunen, Angelhaken oder Fischnetzgewichte. Eine bedeutende Tierart war das Pferd. Als Zugtiere beim Pflügen wurden Hausrinder benutzt; die Hochwertigkeit des Pferdes liegt in seiner Nutzung als Reittier. Die Funde von Pferdeknochen im Bereich des Burgwalls stammen aus der Hallstatt- sowie der Slawenzeit.
Wussten sie, dass:
Der Windhund repräsentiert aus kultureller Sicht eine interessante Rasse. Er kam bereits in Altägypten, in der Keltenwelt sowie im antiken Mittelmeergebiet vor, seinen verschiedenen Varianten begegnen wir während der ganzen Geschichte und immer hat er den gewissen Hauch einer edlen Hunderasse und eines Spitzenjägers gehabt. Die Windhunde sind in der frühmittelalterlichen slawischen Welt nicht oft gezüchtet worden. Durch Oberschlesien verlief jedoch einer der Zweige eines berühmten Handelsweges: der Bernsteinstraße, die im Ostseegebiet endete. Dort befanden sich die Handelsstationen der Waräger (Wikinger), die die Hunde der Greyhound-Rasse gezüchtet haben. Wir werden wohl nicht weit von der Wahrheit sein, wenn wir annehmen, dass der Hund in diesem Fall das Luxuseigentum seines Herrn darstellte, vielleicht die Perle seiner Meute, beziehungsweise ein Luxusgeschenk oder eine Luxusware, die auf Chotěbuz gelangte.
Eine weitere Tierart, die aus kultureller Sicht stark mit dem Menschen verbunden ist, ist der Hund. Die Funde aus den letzten Jahren zeigen, dass der Hund den Menschen schon wenigstens 14 000 Jahre begleitet. Der Verzehr von Hundefleisch war wohl nur eine Ausnahme, denn nicht nur dass er im Hinblick auf die große Zahl der gezüchteten Schweine und Rinder nicht nötig war, sondern der Wert des Hundes als eines Gefährten und Wächters war obendrein viel höher. Die Funde von Hundeknochen kennen wir auf Chotěbuz wieder sowohl aus der Vorgeschichte, als auch aus dem Frühmittelalter. Bemerkenswert ist die Entdeckung aus dem Jahre 2005, bei der man ungewöhnlich lange Hundeknochen gefunden hat. Durch eine Serie von Analysen und Vergleichen konnte man die Hunderasse als den polnischen Windhund oder eine dem britischen Greyhound ähnliche Rasse identifizieren, welche in unserer Gegend damals völlig einzigartig gewesen ist. Die Knochen wurden im Nordteil der Akropolis gefunden, an der Stelle der vorausgesetzten Residenz des lokalen Herrschers.
