Slawische Gesellschaft
Die slawische Gesellschaft war ursprünglich wohl in der Stammesform organisiert. Die Entwicklung ging weiter in Richtung zu größeren Stammesbunden, deren Regierungsorganisation schon die Keime der vorstaatlichen Formen getragen hat. Aus dem 9. Jahrhundert, als Großmähren aufgeblüht hat, kennen wir eine ganze Reihe von archäologischen sowie schriftlichen Quellen in Bezug auf die Organisation dieses frühmittelalterlichen Staatsgebildes. Auch Chotěbuz-Podobora wurde im 8. Jahrhundert wohl als ein Bestandteil des Systems von Siedlungen rund um das Zentrum in Lubom erbaut.
Wussten sie, dass:
In slawischen Sprachen haben die Wörter für den Fürsten und Priester eine gemeinsame Wurzel und in der Vergangenheit waren es sogar vielleicht Synonyme. Dies verweist auf die Wichtigkeit des Herrschers in der altslawischen Weltauffassung. Der Fürst ist nicht nur ein Heerführer und Herr, sondern auch Garant der sakralen Weltordnung.
An der höchsten Position stand der Fürst, der höchste Feldherr von allen Kriegern. Niedriger gestellt waren die Magnaten, die vielleicht mit dem Herrscher blutsverwandt waren und von denen sich die Klasse der Elitekrieger rekrutiert hat. Aus dem Gebiet Großmährens kennen wir Belege für sowohl größere palastartige Gebäude, vermutlich Sitze der höchsten Herrscher, als auch für befestigte Gehöfte, die gerade den Magnaten gehört haben könnten. Die Magnaten verwalteten ebenfalls einzelne Burgwälle. Relativ zahlreich war die Masse der freien Bevölkerung, aus der sich wohl der Großteil der Kampfkräfte rekrutierte, die das Land verteidigt haben, beziehungsweise mit ihrem Herrscher in den Krieg zogen.
Wussten sie, dass:
Das Schwert war ein Machtsymbol sowie eine wahre Waffe, aber die Schwerter waren noch viel wertvoller als man gewöhnlich denkt. Der Besitz eines Schwertes repräsentierte einen beträchtlichen Reichtum und war somit nur für die Wohlhabendsten bestimmt.
Die Elitekrieger, im Grunde professionelle Soldaten aus den Reihen des Adels, waren perfekt ausgerüstet – wir kennen Funde von äußerst qualitätsvollen Schwertern, oft westlicher Herkunft, Helmen und Kettenhemden. Vor allem aber besaßen sie Pferde, mit denen sich oft eine luxuriöse Reiterausstattung verbindet. Freie Krieger waren wohl etwas schlechter ausgerüstet, gewöhnlich waren es Fußsoldaten ohne Rüstung, nur mit einem Schild, und ihre Hauptwaffen bestanden aus einem massiven Speer und vor allem einer Axt. Die Bartaxt repräsentiert einen der charakteristischen Gegenstände in Bezug auf Großmähren und aus unserem Burgwall kennen wir bereits drei Funde solcher Streitäxte.

Sondergruppen im Rahmen der Gesellschaft repräsentierten die Kaufleute, die Fernkontakte vermittelt haben, und die spezialisierten Handwerker. Vor allem im großmährischen Umfeld erreichten die Schmuckherstellung, das Schmiedehandwerk und die Treibarbeit ein solches Niveau, dass die Meister dieser Fächer zu privilegierten Schichten gehört haben könnten. Die Entwicklung der Gesellschaft ging weiter in Richtung der immer tiefer werdenden ökonomischen Abhängigkeit. Die Massen der agrarischen Bevölkerung gerieten allmählich in eine mehr oder weniger leibeigene Stellung gegenüber den Magnaten und dem Herrscher und die Schicht der Freien hat sich schnell verdünnt. Einfache Gräber von Menschen, die an ihren Skeletten Spuren lebenslanger harter Arbeit tragen, stehen im Kontrast zu den reich ausgestatteten Gräbern der Aristokratie.
Wussten sie, dass:
Die Sklaven wurden zum Eigentum der Krieger, die sie gewöhnlich als Kriegsbeute bei Einfällen in fremde Gebiete gewonnen haben. In der frühmittelalterlichen Gesellschaft spielte der Sklavenhandel eine wichtige ökonomische Rolle. Eine der historischen Interpretationen spricht sogar davon, dass die Expansion des frühen přemyslidischen Staates hauptsächlich auf diese Weise finanziert wäre.
Ganz unten auf der gesellschaftlichen Stufenleiter standen die Sklaven. Bemerkenswert in dieser Hinsicht ist der Fund einer eisernen Handschelle an der Fundstelle von Chotěbuz-Podobora.

